Ein guter Anfang für die weitere Zukunft

Artikel aus dem Gäuboten, 10.12.2025

In der festlich geschmückten Karl-Bissinger-Gemeindehalle zeigte schon das Bühnenbild, wie hochkarätig das Konzert werden wird, eine gigantische „100“ war mit Glitter und Glamour befestigt und unterstrich die musikalische Leistung auf der Bühne optisch. Daniel Reichenecker begrüßte die zahlreichen Zuhörer und ließ noch einmal das Jubiläumsjahr Revue passieren. Das viertägige Fest im Mai war ein Höhepunkt, der noch lange im Gedächtnis bleibt. Viele weitere Feste, Konzertreisen und unvergessliche Auftritte finden sich in der Chronik, welche auch optisch als langer Zeitstrahl in der Halle zu sehen war. Reichenecker betonte, wie wichtig es ist, in so einem Verein neue Ideen zu haben und auch umzusetzen.

Genau dieser Antrieb veranlasste auch am 22. August 1925 ein paar Musiker, im Gasthaus Löwen einen Musikverein zu gründen. Bereits im ersten Jahr wurden über 53 Auftritte gespielt, und die Erfolgsgeschichte des Vereins nahm ihren Lauf. Bestnoten bei Wertungsspielen, Fernsehauftritte, ein eigenes Vereinsheim von der Scheune bis hin zum stattlichen Haus – viele Ziele wurden angestrebt und erreicht. Und mit einem Anteil von 40 Prozent von Musikern unter 18 Jahren ist die Zukunft gesichert, freut sich Reichenecker. Mit Blick auf diese erreichten Ziele scherzte Reichenecker, dass dies ein guter Anfang sei für die weitere Zukunft.

Was alles möglich ist, vor allem musikalisch, konnte man gleich ab dem ersten Ton live erleben. Das Jugendorchester unter der Leitung von Nadine Marquardt spielte eindrucksvoll die Rock-Hymne „The Final Countdown“, inhaltlich passend zum Ausklang des Jubiläumsjahres. Mit einem Medley aus „The Lion King“ präsentierte das Nachwuchsorchester konzertante Filmmusik, bevor Solistin Emma Diehl beim Santana-Hit „Santa Barbara“ am Eufonium ein großartiges Solo darbot. Mit „Firework“ und „Schrei nach Liebe“ von den Toten Hosen ließ das Jugendensemble ein regelrechtes musikalisches Feuerwerk abbrennen.

Mit Wiener Glanz und dem Einzugsmarsch aus der Operette „Der Zigeunerbaron“ war das die perfekte Eröffnung für das Aktive Blasorchester unter dem Dirigat von Sascha Eisenhut. Der anspruchsvolle Marsch ebnete den Weg für das monumentale Stück „Tirol 1809“, das den Tiroler Aufstand in drei Sätzen musikalisch festhält. Allerlei Taktwechsel, verschiedene Rhythmen sowie ethnische Klänge unterschiedlichster Länder waren in „Around the world in 80 Days“ zu hören, der musikalischen Version von Jules Vernes Abenteuerroman. In zahlreichen Proben wurde das anspruchsvolle Konzertprogramm erarbeitet, dabei war das Konzert eine Premiere für Dirigent Eisenhut. Bereits seit Januar offiziell im Amt und im Mai schon aktiv beim großen Jubiläumsfest beim Marschieren und beim großen Festausklang mittendrin, präsentierte er nun seine Arbeit mit dem Kuppinger Orchester im konzertanten Genre.

Dass die Kuppinger schaffig sind, bestätigte auch Roland Bernhard. Für den besonderen Anlass der Verleihung der „Pro Musica“-Plakette war der Böblinger Landrat zu Gast und verlieh diese außergewöhnliche Auszeichnung: „Diese Plakette hat Seltenheitswert. Es reicht nicht nur aus, 100 Jahre alt zu sein als Verein – es sind besondere Verdienste, weshalb sie vom Bundespräsidenten verliehen wird.“ Bernhard betonte noch einmal das hohe musikalische Niveau, das in der 100-jährigen Geschichte immer wieder das Publikum und Jurys begeisterte. Unter großem Applaus verlas Bernhard die Urkunde und überreichte die Plakette an die Vorstandsmitglieder Daniel Reichenecker und Johannes Görke.

Im Anschluss spielte das Orchester „Geschichten aus dem Wienerwald“ – ein wunderschönes Potpourri verschiedener anspruchsvoller Walzer – neben dem „Zigeunerbaron“ ebenfalls aus der Feder von Johann Strauß. Anlässlich des 200. Geburtstags von Strauß hatte Sascha Eisenhut eigens diese Stücke ausgewählt für das Konzertprogramm.

Nach einer Pause bei Sekt und Häppchen präsentierte das Orchester den Marsch „Per aspera ad astra“. Mit „Eiger“ führte es das Stück auf, mit welchem sich Eisenhut beim Probedirigat vor einem Jahr in Kuppingen beworben hatte. Ein Glücksbringer-Titel, der eindrucksvoll die alpine Bergwelt musikalisch auf die Bühne bannte. Die Reise führte anschließend von der Karibik bis nach New York. Mit der „New York Ouverture“ hat Komponist Kees Vlak eine Hommage an Manhattan geschrieben, mit Abstechern nach Harlem, in die St. Patricks Cathedral, auf die 5th Avenue zur Freiheitsstatue und vieles mehr. Temporeich, jazzig, aber auch verträumt im Central Park zeigte sich das Orchester auf der Showbühne. Bei „Cry of the Last Unicorn“ wurde es zunächst mystisch, melancholisch, bevor ein rasantes Allegro an Fahrt aufnimmt. Rasant wurde es auch beim „Glacier Express“, ein Stück über den gleichnamigen Zug und die majestätische Präsenz der Schweizer Alpen.

Nach tosendem Applaus durften zwei Zugaben, eine Polka und ein weihnachtliches „White Christmas“ nicht fehlen, bevor DJ Aerox zur Party einlud. Die Musiker und viele Gäste ließen den Jubiläumskonzertabend gemütlich mit Cocktails und mit mancher Tanzeinlage ausklingen.

Zünftig mit Weißwurst und Blasmusik von den Mondschein-Musikanten wurde die Fortsetzung des Jubiläumskonzerts am Sonntagvormittag eröffnet. Wilfried Beck bestritt mit seiner Kapelle den Frühschoppen, während sich die Gemeindehalle stetig füllte. Im Foyer waren alte Fotografien ausgestellt, die bestaunt werden konnten. Das Flötenspiel der Flötengruppe von Monika Hörrmann versetzte die Zuhörer ebenfalls ins Staunen. Zweistimmige Weihnachtslieder, aber auch bekannte Kinderlieder wurden gespielt.

Für die jüngsten Mitglieder im Verein ein aufregender Tag, denn es war ihr erster Auftritt, welcher mit Beifall belohnt wurde. Mit elf Kindern ist der Flötenjahrgang stark wie nie, so Hörrmann in ihrer Moderation. Sie leitet die Flötenkinder bereits seit 30 Jahren und spielt mit ihrer Gruppe mehrmals in Seniorenheimen, bei Weihnachtsmärkten und anderen Gelegenheiten.